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Historisches Teil 01

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  • Historisches Teil 01

    Es ist zwar nicht unbedingt die richtige Rubrik, aber
    aufschlussreich sind die Erkenntnisse vor 100 Jahren doch.
    Da ich mich gern mit Literatur und insbesondere mit
    historischer Literatur beschäftige, war es mir ein Anliegen
    diesen Auszug aus dem vor über 100 Jahren vertriebenen
    medizinischen Ratgebern "Die Neue Heilmethode" von M.
    Platen in das Forum einzustellen. Damit niemand auf den
    Gedanken kommt, den Text für aktuell zu halten, sende ich
    diesen als Foto. Viel Freude beim lesen und der Erkenntins,
    das in der heutigen Zeit der Kampf gegen Diabetes
    erfolgreicher ist.

    Mit welchen Schwierigkeiten sich damals die Menschen mit
    Diabetes Mellitus konfrontiert sahen, wird recht deutlich im
    Originaltext. Allein die Begrifflichkeit der Bezeichnungen
    sind heute nicht mehr gebräuchlich. Auch verwundert es mich
    die recht rüde Ausdrucksweise. Weiterer Text folgt, da die Bilder
    zu groß sind.
    Zuletzt geändert von Votis; 07.03.2017, 11:20.

  • #2
    Hier nun der ganze Text in moderner Schrift:

    Zuckerharnruhr. Zuckerkrankheit. Diabetes mellitus.

    Die Zuckerharnruhr oder Zuckerkrankheit stellt eine chronische Ernährungskrankheit dar, die auf einer krankhaften Beschaffenheit des Blutes beruht. Dieses weist einen abnormen vermehrten Zuckergehalt auf, wodurch es in den Körperabsonderungen, insbesondere im Urin, zu mehr oder weniger beträchtlichen Ausscheidungen von Zucker kommt.

    Der Organismus wandelt die bei dem physiologischen Vorgange der Verdauung aus der eingeführten Nahrung gebildeten Zuckerstoffe dann nicht in seine Natur um, d.h. er verbrennt nicht zu Kohlensäure und Wasser und liefert infolgedessen nicht dem Körper die durchaus nötige Wärme, sondern es kommt gewissermaßen nur zu einer Vorstufe der Oxidation der Nahrungsmittel, nämlich zur Zuckerbildung im Blute und in den lebenden Körpergeweben.

    Als ätiologische Momente der Zuckerkrankheit wären folgende zu nennen: Unzweckmäßige, einseitige oder allzureichliche Ernährung, Erkrankungen des Verdauungsapparates, insbesondere der Leber und des Pankreas (Bauchspeicheldrüse), infektiöse und konstithtionelle Erkrankungen, wie Scharlach, Thypus, Syphilis usw., Verwundungen mit vorwiegender Irritation der Nervensphäre, hereditäre oder erworbene Disposition zu Gicht, Fettsucht usw.

    Die Erkrankung befällt mehr das männliche, als das weibliche Geschlecht, und von jenem wieder vorwiegend das Lebensalter vom 45. bis zum 60. Jahre.

    Vorboten des Ausbruchs der Zuckerkrankheit sind in der Regel: Verdauungsstörungen, wie Appetitlosigkeit, Aufstoßen, Übelkeit, Stuhlverstopfungen, Heißhunger usw. Hierzu geselle sich häufig Eingenommensein des Kopfes, Kopfschmerzen, Schwindel, Sehstörungen, Hautjucken, Impotenz und andere subjektive Erscheinungen mehr.

    Im weiteren verlaufe der Erkrankung kommt es dann zu abnorm vermehrten Hunger- und Durstgefühl. - Die Patienten leiden an - sit venia verbo - Gefräßigkeit, verspeisen die unglaublichsten Portionen, verspüren dabei keineswegs das Gefühl der Sättigung. Auch nehmen sie trotz der übermäßigen Nahrungszufuhr niemals an Körperfülle zu, sondern magern im Gegenteile immer mehr ab. - Der Durst ist geradezu unstillbar. Insbesondere werden nach einer reichlichen Mahlzeit oft ungeheure Mengen Flüssigkeit auf einmal genossen, ohne daß sich der Durst legte.

    Die Zunge ist trocken und belegt, häufig rissig und geschwürig. Die Sekretion des Mundspeichels ist erheblich verringert; seine Reaktion ist fast stets sauer. - In vielen Fällen laboriert der Patient an einem höchst üblen Mundgeruche. Die Zähne werden kariös, lockern sich und werden wackelig; das Zahnfleisch ist entzündlich angeschwollen und blutet leicht.

    Stuhlverstopfung ist in der Regel vorhanden. Der ausgeschiedene Kot ist hart und trocken.

    Die äußere Haut bekundet ihre Anteilnahme an der Erkrankung durch Sprödigkeit und Trockenheit und durch ein überaus lästiges Jucken, das sich bei weiblichen Patienten mit Vorliebe an den äußeren Schamteilen einstellt. Überaus häufig kommt es zur Bildung von Eiterpusteln (Furunkeln) auf der äußeren Haut, aus denen sich dann oftmals Karbunkel entwickeln, die Neigung zu brandigem Zerfall bekunden und dann ausgedehnte Hautpartien zerstören. Ebenso beobachtet man, neben ausgebreiteten Hautentzündungen, häufig den sogenannten Hautbrand (Zuckerbrand), der mit Vorliebe
    die Extremitäten heimsucht und die Muskeln (das Fleisch) derselben vollständig bloßlegt.

    Nur selten kommt es im Verlaufe des Leidens einmal zu einem Schweißausbruche. Der Schweiß enthält dann Zucker.

    Die Atmungswerkzeuge erkranken vielfach in Form der Lungenschwindsucht oder des Lungenbrandes, das Nervensystem ist durch Neualgien in den verschiedensten Nervengbieten, sowie durch psyxhische Alterationen an der Erkrankung beteiligt, die Sinnesorgane werden in Form der mannigfachsten seh- und Gehörstörungen in Mitleidenschaft gezogen.

    Hervorragende klinische Äußerungen bieten die Geschlechts- und die Harnwerkzeuge dar. Der Geschlechtstrieb ist vermindert oder gänzlich erloschen. Bei männlichen Patienten kommt es vielfach zu einer Verengung der Vorhaut (Phimose), zu Geschwüren und Rissen auf dieser und auf der Eichel, bei weiblichen Patienten zu Abscessen am Scheideneingange und an der Harnröhrenmündung.

    Der Urin ist hell, durchsichtig, bis grünlich, schäumt leicht und anhaltend und hinterlässt keinen Bodensatz. Der Geruch des Urins ist bald süßlich, bald säuerlich, zuweilen auch etwas aromatisch oder fade. Die Reaktion des Urins ist fast ausnahmslos sauer, die ausgeschiedene Menge desselben stets gesteigert. Statt der normalen Ausscheidungsmenge von 1-2 Liter innerhalb 24 Stunden gelangt eine solche von 5-12 Liter zur Beobachtung.

    Die Untersuchung des Urins (Man hat vershiedene Methoden, um den Urin auf Zucker zu untersuchen.) ergiebt einen hohen Protzentsatz Zucker, zwischen 1/2 und 14 Prozent. Man hat gefunden, daß im Laufe eines Tages in leichten Fällen 150 bis 500, in schweren sogar 1000 bis 2500 Gramm Traubenzucker durch den Urin ausgeschieden werden.

    Körperliche Bewegung pflegt die im Urin enthaltene Zuckermenge zu vermindern, seelische Erregungen pflegen sie zu erhöhen.

    Eiweiß findet man im Urin der Zuckerkranken dagegen nur selten, und dann auch nur in höchst geringen Mengen.

    Harndrang und Harnzwang bilden oftmals die Erscheinung einer Irritation der Harnblase, während entzündliche Affektionen der Nieren in der Regel fehlen oder doch nur erst bei längerer Dauer des Leidens auftreten.

    Das Allgemeinbefinden leidet im Laufe der Erkrankung durch Abmagerung, allgemeinen Körperverfall, körperliche und geistige Abspannung usw.

    Die Dauer der Krankheit ist je nach der individuellen Konstitution großen Schwankungen unterworfen. In der Regel dauert sie 2-3 Jahre, zieht sich aber auch in machen Fällen eine Zeit von 10-15 Jahren und darüber hin.

    Der Tod tritt meist infolge von Marasmus, Brand, Pyäme, Urämie oder Lungentuberkulose ein.

    Als eine, wenn auch nicht allzuhäufige Todesursache wäre noch das Koma diabetikum zu erwähnen, bei dem es unter Ohnmachten, Kollaps oder unter Atembeschwerden, großer Angst, Delirien usw. zu einer tiefen Benommenheit kommt. Dabei findet ein Abfall der Körpertemperatur bis auf 33 Grad Celsius herab und noch narunter statt, der Puls wird weich, klein und schnell, die Atmung ist außerordentlich beschleunigt, und der Patient stribt in der Regel in wenigen Tagen, ohne zuvor das Bewußtsein wiedererlangt zu haben.

    Die Behandlung bestehe in der Anwendung der allgemeinen Stärkungskur. Als Wasseranwendungen treten dabei in den Vordergrund: Allmorgentliche 20-22 Grad Ganzwaschungen, in Verbindung mit nachfolgender sanfter Frottierung, sowie täglich oder einen Tag um den anderen ein indifferentes Vollbad, in der Dauer von 10-15 Minuten.

    Auch die täglich ein- oder zweimalige Applikation von 18-20 Grad Celsius lösenden Klistieren, in Verbindung mit nachfolgenden kleinen kalten von 14-16 Grad Réaumur, ist von der günstigsten Einwirkung.

    Kräftigere Patienten mögen diesen Anwendungen jede Woche noch ein oder zwei Bettdampfbäder hinzufügen.

    Im Sommer spielen Luft- Licht- und Sonnenbäder, in streng individualisierten Anwendung, eine große Rolle.

    Ferner werde täglich einmal die Bauchmassage, in Verbindung mit den nachfolgenden Figuren dargestellten passiven Bewegungen der Heilgymnastik, vorgenommen, der sich ein- oder zweimal wöchentlich die Anwendung der allgemeinen Körpermassage anschließt. Furunkel, Karbunkel, Brand usw. machen die in den betreffenden gleichnamigen Artikeln angegebene örtliche Behandlung notwendig. Das Koma diabetikum behandle man mit aufsteigenden (28-33 Grad Réaumur) Vollbädern von ziemlich langer Dauer, in Verbindung mit nachfolgender Trockenpackung. Daneben appliziere man unausgesetzt 18-20 Grad lösende Klystire, in Verbindung mit nachfolgenden kleinen kalten von 14 Grad Réaumur.

    Ein hervorragender Heilfaktor ist die Diät, die allerdings eine geringe Einschränkung der Zufuhr von stärkemehlhaltigen Nahrungsmitteln erfordert.

    Vier bis sechs Kartoffeln, zwei bis drei altbackende Weißbrödchen (Semmeln), sowie geringe mengen Schrotbrotes kann der Zuckerkranke immerhin im Laufe des Tages, insbesondere als Zuspeise zu den Hauptmahlzeiten, genießen. Auch Cerealien, wie Hafer, Gerste, Gries, Reis, Tapioka usw., wenn sie in beschriebener Weise zubereitet werden, sind nicht von der Speisekarte verbannt. Ferner sind zu Genusse erlaubt die meisten grünen Gemüse (Spargel, Blumenkohl, Löwenzahn, Rosenkohl, grüne Bohnen, Artischoke usw.), alle Kohl- und Krautarten, sämtliche Krautarten, sämtliche Blattsalate (mit Citronensaft und Olivenöl angemacht), reifes, rohes Obst, jede Art ungezuckerte Kompotte,
    Kakao, saure Milch usw.

    Als Gertänke dienen: Citronensaft oder ungezuckerter Kompottsaft, mit Wasser vermischt, ungezuckerte Fruchtweine, Mandelmilch usw.

    Von Fleisch sind nur die mageren Sorten, in jedesmal sehr geringer Menge, gestattet. - Fische jeder Gattung, Eierspeisen in jeder Art der Zubereitung, weichgekochte Eier usw. kann der Zuckerkranke ohne Bedenken Genießen. - Zum Schlusse merke sich der Diabetiker noch, dass überreichliche Mahlzeiten und starkes Trinken die Zuckerausscheidung durch den Urin vermehren, weise Mäßigkeit diese dagegen vermindert. - Der Patient weiß nun, was er zu tun und zu lassen hat.

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    Die Kommasetzung und einige Wörter habe ich nicht verändert oder verbessert..

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